Geschichte der Grenze zwischen Deutschland und Tschechien

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1867 bis 1918: Habsburg, K&K Doppelmonarchie Gebiet des Kaisertums Österreich-Ungarn. 1918 Ende des 1. Weltkrieges mit Zerfall des Habsburger Reiches
1918 bis 1938: Erste Nachkriegsordnung, Spannungen zwischen den Nationalitäten Nach dem 1. Weltkrieg zerfällt Österreich-Ungarn. Nach dem Verträgen von Versailles und St. Germain wird das vorwiegend von mehr als 3 Millionen Sudetendeutschen bewohnte Gebiet Teil der proklamierten Tschechoslowakei (1. Republik), entgegen dem Willen der deutschsprachigen Bevölkerung. Politik der Zentralregierung in Prag wird von Tschechen (6,8 Mio, 50%) und Slowaken (2,3 Mio., 15%) dominiert. Grundsätzlich demokratische Ordnung, jedoch problembehaftete Nationalitätenpolitik gegenüber Deutschen (3,2 Mio., 23%) und Ungarn (0,8 Mio., 5,5%).
1938: Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich Nach dem Münchner Abkommen wird der sudetendeutsche Teil Böhmens, Mährens und Schlesiens ins Deutsche Reich eingegliedert.
1939: Okkupation der "Resttschechei" durch Deutschland, Abspaltung der Slowakei Deutschland okkupiert die tschechisch dominierten Teile Böhmens und Mährens. Die Slowakei als deutscher Vasallenstaat trennt sich aus der tschoslowakischen Konföderation. Ende der 1. tschechoslowakischen Republik
1945-1946: Vertreibung (DE), Abschiebung/Odsun (CS)) Nach Ende des 2. Weltkrieges wird mit Billigung der Siegermächte die deutsche Bevölkerung (3 Mio.) aus der den Grenzgebieten Böhmens, Mährens und Schlesiens vertrieben (Duldung der Benes-Dekrete). Wiedereingliederung des Sudetenlandes in die neu errichtete Tschechoslowakei (2. Republik).
1946 bis 1948: Kurze demokratische Nachkriegsordnung Die relativ demokratische Grundordnung in der 2. Tschechoslowakei wird 1948 durch kommunistischen Umsturz beendet.
1948 bis 1989: Eiserner Vorhang Teilung Deutschlands. Bündniszugehörigkeit der zwei neuen deutschen Staaten. Die Bundesrepublik Deutschland mit Bayern kommt in die Nato. Die DDR (Sachsen bzw. später Bezirke Dresden, Leipzig und Chemnitz) gelangt in den Warschauer Pakt. Beginn des Baus von extrem gesicherten Grenzbefestigungsanlagen zu Bayern (BRD). Kaum Maßnahmen bei der Grenzsicherung zu Sachsen (DDR).
1989 - 1993: Fall des Eisernen Vorhangs, Entspannung Ende 1989 schrittweise Reduktion der Grenzbefestigungen zu Bayern. 1990 Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und Einführung des visafreien Reiseverkehrs (bislang nur DDR) zwischen Gesamtdeutschland und Tschechoslowakei.
1993 bis 2007: Teilung der Tschechoslowakei, Weg in die EU 1993 Teilung der Tschechoslowakei in die Tschechische Republik und Slowakische Republik. Das ehem. Land Böhmen kommt zu Tschechien als Rechtsnachfolger. 2004 Beitritt zur Europäischen Union mit Abschaffung der Zollkontrollen, Personenkontrollen für Fahrzeuge bestehen weiter.
2007 bis heute: Schengenland 21.12.2007 Erweiterung des Schengenraumes mit völliger Abschaffung aller Grenzkontrollen an den Außengrenzen der Tschechischen Republik, Reaktivierung von alten Straßenverbindungen

Die Grenze zwischen Sachsen, Bayern und Böhmen ist eine der ältesten in Europa und verläuft größtenteils im Böhmerwald und dem Erzgebirge. Über Jahrhunderte sprach die Bevölkerung deutsch als gemeinsame Sprache beidseits der Grenzen. Daraus entwickelte sich eine gewachsene Siedlungsstruktur. Zwischen den Ortschaften an der Grenze gibt es eine Vielzahl an Straßenverbindungen und oft auch kuriose Grenzverläufe. So geht die Grenze teilweise mitten durch Grundstücke und Häuser.

Zeit zwischen 1. und 2. Weltkrieg (1918 - 1945)

Bis 1918 gehörte Böhmen zur K&K-Monarchie. In Österreich-Ungarn lebten viele Nationen.

Siedlungsgebiete der Sudetendeutschen (Stand: 30er Jahre des 20. Jahrhunderts)

Die Tschechoslowakei war seit ihrer Gründung 1918 bis 1938 ein Vielvölkerstaat. Im Land Böhmen lebten im Grenzgebiet zum Deutschen Reich (Sachsen, Bayern und Schlesien) circa 3 Millionen deutsche Bürger. Viele dieser Deutschen waren mit der Minderheitenpolitik der tschechisch dominierten Zentralregierung nicht einverstanden und forderte mehr Rechte. Dies führte zu erheblichen Spannungen zwischen den einst friedlich zusammenlebenden Tschechen und Deutschen. Hitler machte sich diese zunutze und initiierte das Münchner Abkommen, in dem der Anschluss der überwiegend deutsch besiedelten Gebiete der Tschechoslowakei an das deutsche Reich festgelegt wurde. Das Sudetenland, das sich im wesentlichen an den ethnischen Grenzen orientierte, war in der Zeit zwischen 1938 bis 1945 Teil des Deutschen Reiches.

1939 besetzte Hitler auch die so genannte "Resttschechei", also das Gebiet Böhmens und Mährens, das vorwiegend von Tschechen bewohnt war. Es begann die Zeit der Judenverfolgung und der blutigen Niederschlagung von Aufständen(?).

Zeit des Eisernen Vorhangs (1945 - 1989)

1945 sperrte man viele Straßen und Wege, bis auf wenige offizielle Grenzübergangsstellen. Es begann der Aufbau von Grenzsicherungsanlagen.

Nach Ende des 2. Weltkrieges und der Wiedererrichtung der Tschechoslowakei rächte sich die neue tschechoslowakische Regierung unter Benes für die deutsche Besetzung des Landes und die als illoyal empfundene Haltung der Sudetendeutschen. Das Sudetenland kam wieder zur Tschechoslowakei. Zudem wurden fast alle 3 Millionen Deutschen aus Böhmen und Mähren enteignet, ausgeraubt und vertrieben. In die ehemaligen deutschen Orte kamen Tschechen aus dem Inneren der Tschechoslowakei. Die gewachsene Kultur und sozialen Bindungen zwischen den Menschen verschwand innerhalb kürzester Zeit. Deutsche Städte- und Straßennamen sowie Gebäude wurden ins Tschechische umbenannt. Für die tschechischen Ankömmlinge begann die Stunde Null der Nachkriegsgeschichte. Weder eine lokale Identität noch eine Bindung zum ehemaligen kulturellen Erbe der Deutschen war für die tschechischen Neusiedler vorhanden. Ferner bestand in den Köpfen und auch per Staatsdoktrin eine gewisse Abneigung gegen alles Deutsche, was auch einen Verfall von vielen Kulturgütern mit sich brachte. Erst die nachfolgende Generation, die ohne Kriegserfahrungen aufwuchs, zeigte mehr Interesse an den kulturellen Hinterlassenschaften der Deutschen. Nach dem Fall des Kommunismus beobachtet man, dass viele Denkmäler saniert und historische Persönlichkeiten von Orten wieder öfters genannt werden.

Situation Sachsen (Ostdeutschland) - Tschechoslowakei (Böhmen)

Bei der Sicherung der Staatsgrenzen zwischen Sachsen (DDR) und der Tschechoslowakei wurde kein großer Aufwand betrieben. Die Straßenverbindungen wurden lediglich mit einer Schranke und einem Tor unterbrochen. Interessant ist, dass diese Maßnahmen im wesentlichen von den DDR-Grenztruppen durchgeführt worden - das heißt auf deutschem Hoheitsgebiet - während von tschechoslowakischer Seite so gut wie nichts gebaut wurde. Schilder und Grenzsteine markierten den Grenzverlauf. Verordnungen und Gesetze regelten den Grenzverkehr an den offiziellen Übergangsstellen. An der grünen Grenze gab es de facto keine Wachtürme und damit keine aktive Bewachung.

Situation Bayern (Westdeutschland) - Tschechoslowakei (Böhmen)

Anders sah es hingegen an der bayerischen Grenze aus: Hier baute die Tschechoslowakei massive Befestigungsanlagen mit Metallzäunen und Stacheldraht auf. Zeitweise wurde sogar mit tödlichen Hochspannungsdrähten und Minen gearbeitet, die jeden Fluchtversuch verhindern sollten. Zudem gab es ein mehreres Kilometer breites Sperrgebiet, das nur von berechtigten Personen (z.B. Anwohner) betreten werden durfte. Direkt an der Grenzlinie waren von bayerischer Seite aus diese Sicherungsanlagen selten sichtbar, denn sie waren mehrere hundert Meter weiter im Hinterland gebaut. Deshalb meinten damals viele Touristen in Bayern, dass es den "Eisernen Vorhang" scheinbar gar nicht gebe. Häuser, sich die in unmittelbarer Nähe der bayerischen Grenzlinie befanden (bis circa 2 km), zerstörten die tschechoslowakischen Grenzer. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein - Markt Eisenstein / Zelezna Ruda, wo die Grenze mitten durch das Bahnhofsgebäude verläuft.

Zusammenbruch des Kommunismus und europäische Integration (1989 - heute)

Ab 1990 wurden viele Übergänge für Wanderer und Radfahrer eröffnet. Diese wurden in der Regel nicht kontrolliert. Ferner wuchs langsam die Zahl der Pkw-Grenzübergänge.

Seit Mai 2004 ist die Tschechische Republik Mitglied der Europäischen Union. Damit gibt es keine Zollgrenzen zwischen Deutschland und Tschechien mehr.

Bis zum 20.12.2007 wurde der Grenzverkehr noch überwacht, beschränkte sich aber auf Ausweiskontrollen für Reisende mit Fahrzeug (galt nicht für Touristen an Wanderübergängen).

Ab 21.12.2007 wird in Tschechien das Schengener Abkommen umgesetzt, welches alle Grenzkontrollen zwischen den Teilnehmerstaaten abschafft. In der Vergangenheit war das größte Hindernis für die Freigabe von Pkw-Übergängen der Kostenfaktor. An jedem Straßenübergang hätte ein Abfertigungsgebäude errichtet und Grenzbeamte eingesetzt werden müssen. So ging es zwischen 1990 und 2007 nur schleppend voran. Seit dem Schengenbeitritt entfällt die Notwendigkeit einer Passkontrolle. Nun konnten viele Straßen für Fahrzeuge kostengünstig und schnell wiedereröffnet werden: In der Regel brauchte man nur Schlagbaum und Grenztor zu entfernen. Heute ist nahezu der Vorkriegszustand erreicht. Die Durchfahrthindernisse und Abfertigungsanlagen an alten Grenzübergängen werden momentan schrittweise zurückgebaut, um einen ungehinderten und reibungslosen Verkehr zu ermöglichen.